Von Katharina Szabo / 21.08.2017
Das Drama eines islamistischen
Terroranschlags in Europa hat immer drei Akte. Im ersten Akt fahren
Muslime - in der Regel Einwanderer aus islamischen Ländern oder, wie im
Fall des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, muslimische
Migranten, die im Zuge der deutschen Grenzöffnung eingreist sind - im
Namen Allahs ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Es gibt Tote und Verletzte.
Dann folgt Akt zwei. Politiker,
Spin Doctors und Nudging Experten eilen an die Front, um Stellung zu beziehen.
Gegen eine Interpretation des Terroranschlags, die den politischen Machthabern
gefährlich werden könnte. Erstes und einziges Ziel ist es nun, jede
Verantwortung seitens der Regierung vom Tisch zu fegen und Imageschäden
abzuwenden. Niemand darf auf den Gedanken kommen, dass die von der
Bundesregierung seit Jahren gewährte Narrenfreiheit für den Islam, Imame und
Islamverbände, die von Merkel durchgesetzte Einreise Hunderttausender Männer
ohne Pass aus islamischen Ländern oder das Dictum vom Islam, der zu
Deutschland gehöre, im Zusammenhang mit dem islamistischen Terror
gesehen werden könnte.
Bis zum Anschlag am Berliner
Breitscheidplatz im Dezember 2016 galt die Vorgabe, dem Medienkonsumenten
und Wähler unmittelbar nach dem Terrorakt einzubläuen, dass der Islam nichts
mit dem Islamismus zu tun habe. Dass es also eine strikte Trennung zwischen
einem guten Islam gäbe, der Unterstützung durch die Bundesregierung erfahre,
und einem schlechten Islamismus, der mit Ersterem nichts zu tun habe.
Gibt es eine Verbindung zwischen Islam und
Islamismus?
Kritiker dieser Doktrin, die
einwenden, dass der Islam und seine fundamental-islamischen
Organisationen sehr wohl etwas mit dem Islamismus zu tun haben, galt es
mittels der Anschuldigung, sie wollten alle Muslime
diskreditieren, vom Diskurs auszuschließen. Dies funktionierte eine
Weile ganz gut, doch mit jedem Terroranschlag meldeten sich weitere
Spielverderber zu Wort, die eine Verbindung zwischen Islam und Islamismus
belegen konnten.
Inzwischen ist bekannt, dass die
der Regierung nahe stehenden Islamverbände Ditib und Zentralrat
der Muslime nicht die lupenrein weiße Weste haben, die ihnen
bescheinigt wird. Die Ditib etwa erfüllt im Wesentlichen
die Aufgabe, die Interessen des islamofaschistischen Autokraten Erdogan in
Deutschland durchzusetzen. Der Zentralrat der Muslime beherbergt
unter seinem Dach Organisationen wie die Atib, eine Abspaltung der türkischen, faschistischen
Grauen Wölfe, und die IGD, einen Ableger der islamistischen Muslimbrüder.
Die Behauptung, der Islam habe
nichts mit dem Islamismus zu tun, war also nicht mehr ohne weiteres haltbar.
Eine neue Strategie musste her, um jede Verantwortung der Regierung am sich
auch in Deutschland ausbreitenden Islamismus zu negieren. Sie kam erstmals nach
dem Terrorakt vom Berliner Breitscheidplatz zum Einsatz. In ihrer Stellungnahme zum Anschlag spricht Merkel nun von einer „grausamen und
unbegreiflichen Tat“, die den Opfern „das Leben geraubt“ habe, von einem
„Schlag“ ist die Rede, der besonders „schwer zu ertragen wäre“, so führt sie
weiter aus, „wenn sich herausstellen sollte, dass ein Mensch diese Tat begangen
habe, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat“. „Dies wäre besonders
widerwärtig gegenüber den Menschen, die in der Flüchtlingshilfe engagiert“
seien. Man wolle nicht damit leben, dass uns die „Angst vor dem Bösen“ lähme. Die
Wörter „Islam“ oder „Islamismus“ kommen nicht mehr vor.
Die mediale Nachbereitung
Der Terror hat jetzt weder etwas
mit dem Islam noch mit dem Islamismus zu tun. Eine totale Entkoppelung ist
vollzogen. Terrorakte, so erklärt Merkel, seien Naturkatastrophen, die über uns
hereinbrechen, vielleicht auch ein abstraktes Böses. Verantwortung trage
niemand, weder der Attentäter, ein Mensch, der Schutz suchte, also ein
Verzweifelter, noch die Kanzlerin und ihre Politik der bedingungslosen
Grenzöffnung. Diesem Sound schlossen sich die Vertreter aller im
Bundestag vertretenen Parteien an. Auch im Falle des Terroranschlags von
Barcelona wurde so verfahren. Etwas ist passiert, das uns betroffen macht.
Islam? Islamismus? War da was?
Im dritten und letzten Akt eines
jeden islamistischen Anschlags erfolgt schließlich die mediale Nachbereitung.
Wir lesen und hören, dass wir lernen müssten, „mit dem Terror zu leben“, dass
wir uns an ihn „gewöhnen“ sollten, wie etwas, das einfach vom
Himmel fällt. Niemand trage Verantwortung, niemand ist in der Lage, etwas gegen
den Terror zu unternehmen, schon gar nicht die Regierenden.
Die Toten, die weder Gesicht noch
Namen erhalten, hätten einfach Pech gehabt: Sterben Menschen nicht auch bei
Autounfällen oder Flugzeugabstürzen? Warum also Trauer oder gar Wut empfinden,
warum überhaupt noch etwas empfinden? Erste staatsbürgerliche Pflicht und
höchste moralische Tugend sei es nun, so lernen wir, Ruhe zu bewahren, die
zerfetzten Kinderkörper und abgerissenen Gliedmaßen der anonymen Pechvögel zur
Kenntnis zu nehmen, als betrachteten wir einen zertrampelten Käfer. Auf Abstumpfung,
so berichtet „Welt Online“ am Tag nach dem Anschlag von Barcelona, baue
auch Merkel für den Tag X, den Tag des nächsten islamistischen Anschlags in
Deutschland.
Ist der Bürger also erst einmal
an Terror gewöhnt, hat sich der Wähler einmal jedes menschliche Mitgefühl
abtrainiert, ist ihm die seelenlose
Gleichgültigkeit endlich zur zweiten Haut geworden, dann macht er auch nicht mehr Merkel für das
Geschehen verantwortlich. Nicht für die Grenzöffnung, nicht für das Hofieren
fundamental-islamischer Verbände, nicht für die mangelnde Terrorabwehr und auch
nicht für die fehlende Feststellung der Identität nach wie vor in großer Zahl
nach Deutschland einreisender Migranten. Ein wahrhaft
teuflischer Plan.
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