Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hatte gesagt, der Islam sei ein Teil Deutschlands und nun hat der Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kurz vor einer Islamkonferenz eine andere Meinung geäußert: "Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland und gehört somit nicht zu Deutschland". Weiter hat er gesagt: "Muslime gehören aber sehr wohl zu Deutschland. Sie genießen selbstverständlich als Staatsbürger die vollen Rechte."
Schon die
Tatsache einer vom Staat einberufenen Islamkonferenz gibt zu denken. Diese Islamkonferenz
soll den Dialog mit zwischen Moslems und dem Staat, d.h. die Integration von
Einwanderern fördern. Ist es wirklich Aufgabe eines Staates einen Dialog mit Religionsgemeinschaften
zu führen? In Deutschland ist man daran gewöhnt mit Katholiken, Protestanten
und Juden zu reden, auch wenn man sich fragen kann, was dem sogenannt säkularen
Staat die Religionszugehörigkeit seiner Bürger angeht.
Deutschland betrachtet
sich als säkularer Staat, ist aber keiner. In Deutschland wird immer noch
gefragt, welcher Konfession man angehört, damit der Staat die richtige
Kirchensteuer einziehen kann. Religion ist jedoch Privatsache und sollte den
Staat überhaupt nichts angehen. Aber in einigen Bundesländern wird schon
Islamunterricht eingeführt. Wenn der deutsche Staat den Dialog mit der
eingewanderten Bevölkerung sucht, dann soll er das unabhängig von der Religion
tun.
Wenn Herr Wulff
meint, der Islam sei ein Teil Deutschlands, so zeugt das von einem Mangel an
Logik. Hessen und Bayern sind Teile Deutschlands, aber eine Konfession ist
nicht Teil eines säkularen Staates, allenfalls ist sie Teil einer Kultur. Wenn
Herr Wulff sagen wollte, dass die Muslims in Deutschland einen Teil der
deutschen Wirklichkeit ausmachen, hätte er das auch so sagen müssen. Der größte
Teil der deutschen Bevölkerung ist jedoch immer noch der Meinung in einem Land
mit einer vorwiegend christlich-jüdisch geprägten Kultur zu leben. Der Islam wird nicht als
dieser Kultur zugehörig gesehen.
Herr Kauder hat Recht,
wenn er sagt, der Islam sei nicht Teil der deutschen Tradition und Identität.
Aber sofort wird er missverständlich, wenn er sagt, dass Muslime in Deutschland
als Staatsbürger die vollen Rechte genießen. Diese Aussage könnte so ausgelegt
werden, dass alle Muslims deutsche Staatsbürger sind, was aber nicht der Fall
ist. Außerdem sollte die Staatsbürgerschaft unabhängig von der
Konfessionszugehörigkeit sein.
Kauders Äußerung wurde vom Vorsitzenden der Türkischen
Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, mit den Worten kommentiert: "Jeder
darf Schwachsinn erzählen in diesem Land. In der Demokratie ist das möglich“.
Das Politiker Schwachsinniges von sich geben, ist ja nicht so selten, wie man
gut sehen kann, wenn man die Diskussion über den Islam verfolgt. Das, was
Politiker sagen, sagen sie normalerweise in der Annahme, dass am nächsten Tag
sich keiner mehr an das Gesagte erinnert. Also ist jeder Schwachsinn erlaubt.
Im Vorfeld
besagter Islamkonferenz kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)
an: "Religion darf nicht für ideologische Machtansprüche missbraucht
werden. Diese Botschaft müsse auch von der Deutschen Islamkonferenz
ausgehen". Auch das ist reines Gewäsch: Religion ist immer Ideologie und
auf diese stützen die Kirchen ihre Macht. Ein Argument mehr, um die totale
Trennung von Staat und Religion zu fordern.
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann bezeichnete
Kauder als "letzten Kreuzritter der Union". Der CDU-Politiker sorge
damit für eine "Abwertung und Ausgrenzung aller Muslime in Deutschland"
und lege überdies einen Sprengsatz in die Islamkonferenz (Anm. des Autors: Bis
jetzt kennt man Sprengsätze hauptsächlich von islamischen Terroristen!). Diese
könne nur Erfolg haben, wenn die modernen und weltoffenen Muslime in
Deutschland gestärkt werden.
Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir, selbst aus einer türkischen Familie
stammend, bezeichnete es als "absurd", zu behaupten,
Muslime gehörten zu Deutschland, der Islam aber nicht. "Volker Kauder
mache auf Kulturkampf. Das Gesellschaftsbild des CDU-Politikers sei
befremdlich.
Der Islam sei in der Vergangenheit nicht Teil der
Tradition und Identität des Landes gewesen, "inzwischen ist er es
aber", betonte Özdemir. Er fügte hinzu: "Vermutlich denkt Herr Kauder
auch, die Frauenbewegung gehöre nicht zu Deutschland, Frauen aber schon." Befremdlich
ist das Gesellschaftsbild des Herrn Özdemir. Herr Özdemir liegt ganz schief.
Die deutschen Sitten und Gesetze basieren
auf einer christlich-jüdischen Ethik und nicht auf einer
islamischen. Wenn Herr Özdemir Recht damit hat,
dass der Islam ein Teil der deutschen Kultur ist, dann sollte man schleunigst
außer dem „Wort zum Sonntag“ auch das „Wort zum Freitag“ in das Programm der öffentlichen
Sender aufnehmen.
Die
Co-Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, sagte: "Volker Kauders Ausfälle
gegenüber Muslimen in Deutschland sind beschämend und kaum zu ertragen."
(Ich sehe hier nur Ausfälle in der Denktätigkeit von Frau Roth) Nach den
Erfahrungen, die Muslime mit dem deutschen Staat im Zuge der Ermittlungen der
NSU-Morde haben machen müssen, sende Kauder "ihnen nun endgültig ein
Signal der Ausgrenzung". Mit seinen Einlassungen, der Islam gehöre nicht
zu Deutschland, "nimmt Herr Kauder Millionen hier lebenden Menschen jetzt
auch noch ihre Heimat weg und bürgert sie praktisch aus." (Hat Frau Roth
einmal die islamischen Einwanderer befragt, welches sie als ihre Heimat
ansehen? Die meisten sind doch nur zum Geldverdienen nach Deutschland gekommen
und würden am liebsten mit etwas
Ersparten schnell wieder in ihr Land zurückkehren).
Deutschland hat
sich solche Probleme selbst zuzuschreiben. Deutschland wiegt sich in der
Illusion, mit der Trennung von Staat und Kirche sei das Problem der Säkularisierung
gelöst. „Werch ein Illtum“. Es geht nicht um die Trennung von Staat und Kirche
(es gibt es keine jüdische und islamische Kirche), es geht um Trennung von
Staat (öffentlich, res publica) und Religion (Privatsphäre). Wenn jemand an
etwas glaubt, ist das seine Sache und nicht die des Staates.
Muslime in Deutschland
In Deutschland leben 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime. Nur ein kleiner Teil
davon gilt als Anhänger radikaler Strömungen.
Knapp zwei Drittel der muslimischen Migranten haben türkische Wurzeln. Mehr
als 13 Prozent stammen aus Südosteuropa, etwa 8 Prozent sind Migranten aus dem
Nahen Osten und 7 Prozent aus Nordafrika.20 Prozent der Muslime in der Bundesrepublik sind in religiösen Vereinen oder Gemeinden organisiert. Mit fast drei Vierteln bilden die Sunniten die bedeutendste Glaubensrichtung. Es folgen die Aleviten mit 13 und die Schiiten mit 7 Prozent.
In Deutschland gibt es rund 2350 Moscheen.
Laut einer Studie des Bundesamtes für Migration von 2009 schätzen sich 36 Prozent als stark gläubig ein. Unter Muslimen aus Afrika sind es 47 und bei denen aus dem Iran 10 Prozent.
Gut 52 Prozent der Muslime aus Afrika beten mindestens einmal täglich, bei Glaubensbrüdern aus der Türkei gut ein Drittel. Aber 54 Prozent der Muslime aus dem Iran und 16 Prozent aus der Türkei beten nie.70 Prozent der Musliminnen ab 16 Jahren tragen nie ein Kopftuch.
Ende 2010 gab es laut Verfassungsschutzbericht 29 bundesweit aktive islamistische Organisationen mit 37.470 Anhängern.
Polizei und Verfassungsschutz beobachten insgesamt rund 1000 Islamisten. Etwa 130 von ihnen gelten als "Gefährder", die verdächtigt werden, Terroranschläge zu planen.
Die als Sammelbecken für gewaltbereite Islamisten geltenden Salafisten stützten sich 2010 in Deutschland auf 2500 Anhänger und 200 Hauptakteure. Ein Flügel der ultra-orthodoxen Islam-Strömung hat Verbindungen zum Terror.
Quelle: dpa
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